18. November 2011 von WhoFinance | Allgemein
Altersvorsorge für Frauen: Riskante Abhängigkeiten
Susanne Kablitz, Finanzberaterin aus Tönisvorst im WhoFinance Interview
Die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann ist oftmals eine riskante Position. Eine eigenständige Altersvorsorge wird für Frauen daher immer selbstverständlicher, zumal sie in Geldangelegenheiten oft ein sehr scharfsichtiges und richtiges Anlageverhalten beweisen.
WhoFinance: Frau Kablitz, gibt es entscheidende Unterschiede in der Beratung zur Altersvorsorge bei Männern und Frauen?
Susanne Kablitz: Zunächst möchte ich gern auf einige Gemeinsamkeiten hinweisen. Aufbau und Erhalt des Vermögens sind für beide von entscheidender Bedeutung. Ich stelle auch häufig fest, dass Anleger wenig Gefühl für die Auswirkungen von Inflation und Zinseszinseffekten haben. Zudem werden oft nicht die in einigen Produkten versteckten Kosten beachtet. Das berücksichtige ich in meinen Beratungen sehr stark, weil das eine vermeintlich phantastische Anlage schnell ad absurdum führen kann.
Immer wieder höre ich von Ratschlägen bis hin zu so genannten Geheimtipps von Anlageberatern, Freunden und Bekannten über vermeintlich beste Investitionschancen. Oftmals wird auch auf Bücher, Magazine und TV-Sendungen hingewiesen, die angeblich optimale Strategien für eine sichere Zukunft versprechen.
Und: Grundsätzlich sind auch die Spielregeln des Investmentgeschäfts – wie man Immobilien erwirbt, eine Aktie auswählt oder eine gute Rendite aus einer Vermögensanlage erzielt – für Männer und für Frauen gleich.
WhoFinance: Wenn es ums Geld geht, sind Frauen und Männer aber doch nicht gleich?
Susanne Kablitz: Das ist richtig. Nicht nur ihr historischer Ausgangspunkt ist ein anderer, sondern auch die mentalen und emotionalen Voraussetzungen sind unterschiedlich.
Finanzanlagen waren traditionell Männersache, jetzt wird es für Frauen wichtiger, finanziell unabhängig zu sein. Sie müssen also selbst etwas tun. Mit meiner Beratung versuche ich, Frauen bei ihren monetären Entscheidungen hilfreich zur Seite zu stehen. Dabei geht es oft um weit in die Zukunft reichende Entscheidungen. Wichtig ist, dass dabei nicht intuitiv gehandelt, sondern rational entschieden wird. Nur so lässt sich das Risiko fehlerhafter Anlagen minimieren.
WhoFinance: Welche Fragen oder Unsicherheiten tauchen in Ihren Beratungen mit Frauen verstärkt auf?
Susanne Kablitz: Im Laufe eines Lebens machen alle irgendwann einen finanziellen Fehlgriff, also auch Frauen. Dies hat aus meiner Sicht aber vor allem mit einem mangelhaften Selbstvertrauen zu tun, keinesfalls mit Intelligenz oder fehlendem Verständnis für Geldangelegenheiten. Es ist auffällig, dass Frauen in Geldangelegenheiten ein sehr scharfsichtiges und intuitiv richtiges Anlageverhalten zeigen. Das geht jedoch häufig verloren, weil sich in einer partnerschaftlichen Beziehung überdurchschnittlich häufig der Mann um die Finanzen kümmert. Dies ist nicht immer von Vorteil.
Frauen sind aus ihrer Historie viel eher bereit, klein beizugeben, wenn es um finanzielle Themen geht. Dies ist sehr schade, da Frauen ein sehr gutes Gespür für sinnvolle und gute Finanzanlagen haben. Ich bestätige Frauen darin, sich eine umfangreiche finanzielle Allgemeinbildung zuzulegen. Hierzu benötigen Sie keinen Börsenguru, um ihr Vermögen vernünftig aufzubauen oder anzulegen. Es sind wenige, klare und einfache Prinzipien, die in punkto Geldanlage für die größtmögliche Wirkung sorgen.
WhoFinance: Welche Prinzipien meinen Sie?
Susanne Kablitz: Die allgemeine Empfehlung von mir lautet: “In aller Ruhe anlegen, vernünftig streuen und sinnvoll handeln”.
Frauen sind zu solch großen Dingen imstande; sie sind in der Lage, viele Dinge unter einen Hut zu bringen. Sie müssen Familie und Job vereinbaren und wollen nebenher auch noch gut aussehen. Dieses Selbstverständnis und dieses Selbstvertrauen sind genauso wichtig, wenn es um finanzielle Themen geht. Was morgen ist, ist unsicher und lässt sich nur in Form von Wahrscheinlichkeiten voraussagen. Dies ist für alle Menschen gleich.
Aber gleichgültig, ob wir mit Wahrscheinlichkeiten gut zurecht kommen oder eher nicht; eine gute Anlagepolitik besteht im Wesentlichen darin, den für jeden Mandanten optimalen Umgang mit der Unsicherheit der Zukunft zu finden und ein persönliches Portfolio aufzubauen, das einen ruhigen Schlaf ermöglicht.
Susanne Kablitz berät Kunden seit 15 Jahren in den Bereichen Altersvorsorge und Geldanlage in Tönisvorst. Frau Susanne Kablitz zählt zu den „Top 20“-Beratern in NRW – von Kunden bewertet auf WhoFinance.de, Deutschlands führendem Bewertungsportal für Finanzberater. (Stand: 14. Februar 2011)